Sednaya

Sednaya – Erwartung und Leerstelle

Der Name Sednaya war mir bereits vor dem Besuch ein Begriff – nicht im Detail, aber als ein Ort, der für extreme Gewalt und Repression steht. Entsprechend bin ich mit einer gewissen Erwartung in die Ausstellung gegangen: nicht im Sinne von Vorfreude, sondern eher als Interesse daran, mehr über diesen Ort zu erfahren und zu verstehen, wie ein solches Gefängnis dargestellt und vermittelt werden kann.

Umso irritierender war es, dass ein zentraler Bestandteil der Ausstellung letztlich nicht zugänglich war – ohne dass dies im Vorfeld ersichtlich gewesen wäre.

Ausstellung: SEDNAYA – Die Architektur von Repression und Tod in Syrien

Ort: Gedenkstätte Hohenschönhausen

Zeitraum: 26. März – 27. September 2026

Öffnungszeiten: Täglich 10 – 18 Uhr

Eintritt: Frei

Webseite: Sednaya

Die Ausstellung selbst nähert sich Sednaya zunächst über eine detaillierte Rekonstruktion des Gefängnisses. Diese wird nachvollziehbar erklärt und bildet die Grundlage für das Verständnis der räumlichen Struktur und der Abläufe vor Ort. Ergänzt wird dies durch Tablets, auf denen Überlebende zu Wort kommen. In den Videos schildern sie eindrücklich, was ein Aufenthalt in Sednaya bedeutete, insbesondere die systematische Gewalt und Folter unter dem Assad-Regime. Diese Berichte gehören zu den stärksten Elementen der Ausstellung, da sie die abstrakte Struktur des Ortes mit individuellen Erfahrungen verbinden.

Daneben findet sich auch ein Bericht aus der Zeit von Hafiz al-Assad. Bereits damals wurden politische Gefangene in Sednaya inhaftiert, allerdings wird in diesem Zusammenhang keine vergleichbare systematische Folter thematisiert. Stattdessen ist von eingeschränkten, aber vorhandenen Kontaktmöglichkeiten zur Familie die Rede. Diese Gegenüberstellung deutet eine Entwicklung an, die in der Ausstellung eher angedeutet als ausgearbeitet wird.

Der zentrale Zugang zur Ausstellung erfolgt über eine 3D-Rekonstruktion, in der das Gefängnis virtuell erkundet werden kann. Dieses Element nimmt einen erheblichen Raum ein und prägt das Konzept der Ausstellung maßgeblich. Allerdings ist es offenbar nicht durchgehend nutzbar. Laut Website steht nur dienstags zwischen 12:00 und 16:00 Uhr eine Betreuung durch Mitarbeitende des Prisons Museum oder von UMAM Documentation & Research zur Verfügung.

Problematisch ist dabei weniger die eingeschränkte Verfügbarkeit an sich, sondern die fehlende Transparenz. Weder auf der Website noch in der Ausstellung selbst wird darauf hingewiesen, dass der 3D-Bereich außerhalb dieser Zeiten nicht oder nur eingeschränkt genutzt werden kann. Diese Information haben wir erst auf persönliche Nachfrage vor Ort erhalten.

In der Konsequenz fehlte damit ein wesentlicher Teil der Ausstellung. Da die 3D-Rekonstruktion einen zentralen Zugang darstellt, reduzierte sich der Besuch auf die verbleibenden Elemente, sodass die Ausstellung bereits nach etwa einer halben Stunde vollständig erschlossen war. Gerade vor dem Hintergrund des Themas wirkt dieses Missverhältnis zwischen konzeptionellem Anspruch und tatsächlicher Zugänglichkeit besonders deutlich.

Die Ausstellung zeigt damit einerseits, wie sich ein schwer zugänglicher Ort über Rekonstruktion und Zeitzeugenberichte vermitteln lässt. Gleichzeitig macht sie aber auch deutlich, wie stark das Ausstellungserlebnis von organisatorischen Rahmenbedingungen abhängt – und wie problematisch es ist, wenn zentrale Elemente zwar angekündigt, aber faktisch nicht zugänglich sind. Ich kann nachvollziehen, dass eine konstante Präsenz für einen Verein schwer sicherzustellen ist, eine Ausstellung auf die Beine zu stellen ist bereits sehr viel Arbeit, aber 7 Tage die Woche Personal vor Ort zu haben, erfordert entweder sehr viele Freiwillige oder Geld. Das das nicht immer machbar ist, ist nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist dagegen die fehlende Kommunikation. Warum die Gedenkstätte Hohenschönhausen das nicht direkt auf der Seite der Ausstellung mitteilt, erschließt sich mir nicht.

One thought on “Sednaya

  • Robin
    22. November 2017 at 23:42

    You weren’t on any mercy mission this time. Several transmissions were beamed to this ship

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